Jungbauern: Digitalisierung bietet enormes Potential für die heimische Landwirtschaft

16. November 2018

Digitaler Wandel nur bei laufender Aus- und Weiterbildung erfolgreich

„Der Nutzen der Digitalisierung für die Landwirtschaft wird erst dann geschaffen, wenn neue Informationen zu besseren Entscheidungen führen.“ Das ist eine der zentralen Aussagen des knapp 100-seitigen Berichts „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ der gestern von Bundesministerin Elisabeth Köstinger präsentiert wurde. „Der umfangreiche Themenkomplex Digitalisierung bietet eine Vielzahl an Chancen und Möglichkeiten für die österreichischen Landwirtinnen und Landwirte und wirkt von Pflanzenbau und Tierhaltung über Betriebswirtschaft und Management bis hin zu Vermarktung und Verwaltung in alle Bereiche und Betriebszweige hinein“, erklärt Franz Xaver Broidl, Bundesobmann der Österreichischen Jungbauernschaft, mit Blick auf den vorgestellten Bericht, der die Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung spezifischer Maßnahmen sein soll.

Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz als zentrale Themen

„Wenn man von Digitalisierung im landwirtschaftlichen Bereich spricht, fallen häufig die Begriffe Ressourcenschonung und Ressourceneffizienz. Gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel immer deutlicher spürbar wird und die Preisentwicklung für Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger oder Sprit nach oben zeigt, ergeben sich dadurch positive ökologische und ökonomische Perspektiven,“ so Broidl. „Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln, wie Sensoren oder Apps, ist entgegen der weitverbreiteten Meinung nicht nur für große Betriebe interessant, sondern insbesondere auch für die kleinstrukturierte Landwirtschaft, wie wir sie in Österreich vorfinden. So können etwa Brunsterkennungssysteme eine Chance für Nebenerwerbsbetriebe sein, wo die außerlandwirtschaftliche Tätigkeit nur eine beschränkte Möglichkeit zur Tierbeobachtung bietet. Ähnliches gilt für die Früherkennung von Krankheiten“, führt Broidl ein konkretes Beispiel an. Die Digitalisierung bietet auch Möglichkeiten, um neue Einkommenswege – etwa in der Online-Vermarktung – zu erschließen, bietet Unterstützung bei betriebswirtschaftlichen Kalkulationen durch Einsatz von Deckungsbeitragsrechnern oder kann die Transparenz in der landwirtschaftlichen Produktionskette erhöhen. „Wir sehen aber auch, dass einige Technologien kostenintensivere Investitionen notwendig machen, etwa im Bereich des Precision Farmings. Hier kann eine verstärkte Kooperation zwischen einzelnen Betrieben eine Lösung sein,“ merkt Broidl an.

Aus- und Weiterbildung für den digitalen Wandel unabdingbar

Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, sind eng mit einer kontinuierlichen Aus- und Weiterbildung verknüpft. Viele der eingesetzten Technologien erfordern sehr spezifisches Wissen, welches man sich laufend aneignen und trainieren muss, um mit den Neuerungen Schritt zu halten. „Hier sind die Landwirtinnen und Landwirte, die Beratung wie auch Lehrende und weitere Experten gleichermaßen gefordert,“ stellt Generalsekretär Andreas Kugler klar. „Als zentral sehen wir hier unter anderem eine entsprechende Berücksichtigung in der schulischen Ausbildung wie auch den Praxistransfer aus Wissenschaft und Forschung an. Ein eigener Schwerpunkt für Landwirtschaft und Digitalisierung, wie er ab dem kommenden Jahr am Francisco Josephinum in Wieselburg angeboten wird, ist daher sehr zu begrüßen.“

Herausforderungen bei Datenschutz und neuen Arbeitsabläufen berücksichtigen

„Wir sind uns aber auch im Klaren darüber, dass die Digitalisierung eine Vielzahl an Risiken und Herausforderungen mit sich bringt. Aus unserer Sicht betrifft das vor allem den Bereich Datensicherheit und Datenschutz. Aber auch eine wachsende Systemabhängigkeit sowie offene Fragestellungen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Auf den landwirtschaftlichen Betrieben werden sich viele gewohnte Tätigkeiten verändern und Arbeitsabläufe müssen neu gestaltet werden. Hier gilt es sicherzustellen, dass die Betriebe wie auch die Landwirtinnen und Landwirte dieser Entwicklung folgen können. Auch die Auswertung des gesammelten Datenmaterials stellt hier eine Herausforderung dar“, gibt Broidl zu Bedenken.

Digitalisierung macht flächendeckenden Breitbandausbau unbedingt erforderlich

„Laut vorsichtigen Schätzungen nutzen derzeit 5-10% der heimischen landwirtschaftlichen Betriebe Farmmanagementsysteme im Ackerbau; 13% aller Ackerflächen werden mit GPS-gesteuerter Technologie bewirtschaftet. Als Österreichische Jungbauernschaft sehen wir hier ein enormes Potential für jeden einzelnen Betrieb. Gleichzeitig muss uns bewusst sein, dass viele der Technologien nur einsetzbar sind, wenn ein flächendeckender Breitbandausbau und schnelles Internet für alle endlich Realität werden“, so Broidl abschließend.