„Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für Bauern!“ – Statement zur Ö3-Sendung „Frag das ganze Land“

6. Mai 2019

Die Landwirtschaft stand im Zentrum der jüngsten Ausgabe der Ö3-Sendung „Frag das ganze Land“. Konkret ging es um die Wertschätzung, welche die österreichischen Bäuerinnen und Bauern seitens der Gesellschaft für ihre Arbeit und ihren Beruf bekommen. Oder welche sie eben nicht bekommen. Der 36-jährige Jungbauer Peter warnt im eingereichten Text davor, dass „viele Jungbauern einfach keine Lust mehr haben.“ Grund dafür sei, dass die Landwirtschaft immer stärker an den Rand der Gesellschaft gedrängt und für viele Fehlentwicklungen pauschal verantwortlich gemacht werde. Rund 6.900 Personen beteiligten sich bisher an der anschließenden Abstimmung. Hier meinen über 80% der Befragten: „Du hast allen Grund zu jammern: der Beruf des Landwirts gehört attraktiviert.“ Knapp 20% sind der Ansicht: „Du hast keinen Grund zu jammern: jeder Jung-Landwirt weiß, worauf er sich einlässt.“ (vgl. https://oe3.orf.at/sendungen/stories/dilemma)

Mit dieser Fragestellung eröffnet sich für uns schon das erste Problem. Wünscht man sich seitens der Gesellschaft mehr Wertschätzung für seine unverzichtbaren Leistungen und verweist dabei auf die vielen Diskussionen, denen man sich im Alltag oft stellen muss, wird das unter „jammern“ zusammengefasst. Das hören wir gar nicht gerne. Ja, die Herausforderungen werden größer. Die Trockenheit, fehlende Möglichkeiten im Pflanzenschutz, unsichere Produktpreise, der steigende Bürokratieaufwand sind nur einige Beispiele dafür. Aber wir Jungbäuerinnen und Jungbauern sind mutig, motiviert und innovativ. Wir stellen uns aktiv diesen Fragestellungen und finden Lösungen dafür.

Unsere Motivation dafür ist unmittelbar mit der eingangs erwähnten Wertschätzung verknüpft. Hat die Landwirtschaft ein positives Image und werden die Lebensmittelproduktion wie auch der Erhalt der Kulturlandschaft mit Anerkennung belohnt, wirkt sich das positiv auf jede einzelne Bäuerin und jeden einzelnen Bauern aus – so wie auch in jeder anderen Berufsgruppe. In unserer täglichen Arbeit merken wir aber, dass vieles zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Heute erinnert sich kaum jemand mehr an Zeiten des Hungers und des Mangels. Die stetige Weiterentwicklung in der Landwirtschaft hat dazu beigetragen, dass wir uns heute nicht mehr darum sorgen müssen, ob wir morgen etwas zu Essen haben. Gleichzeitig sehen immer weniger Konsumentinnen und Konsumenten den enormen Aufwand dahinter. Was es bedeutet, einen Liter Milch, ein Kilo Fleisch oder ein Kilo Erdäpfel zu produzieren. Viele Menschen verstehen auch nicht (mehr), dass die Landwirtschaft wie kaum ein anderer Bereich von einer Vielzahl an Umwelteinflüssen abhängig ist – die „Werkstatt unter freiem Himmel“ ist Segen und Fluch zugleich. Ein einzelnes Gewitter kann die Arbeit eines ganzen Jahres zerstören.

Das Erscheinungsbild der Landwirtschaft hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark gewandelt. Landwirtschaft hat mit dem, wie vor fünfzig oder sechzig Jahren gewirtschaftet wurde, in vielen Bereichen nur noch wenig zu tun. Diese Veränderung auf den Betrieben ist deutlich schneller abgelaufen, als sich das Bild der Landwirtschaft in den Köpfen der Konsumentinnen und Konsumenten gewandelt hat. Unterschiedlichste Aktivitäten haben dazu geführt, dass viele Menschen mit dem Begriff Landwirtschaft eher sprechende Schweinchen, lila Kühe und ein romantisiertes Bild verknüpfen, das wenig bis gar nichts mit der Realität zu tun hat.

Am anderen Ende der Debatte steht die zunehmende Skandalisierung der Landwirtschaft. Es vergeht kaum mehr eine Woche, an dem den Bäuerinnen und Bauern nicht ein anderes „Schuldpaket“ umgehängt wird. Dabei sind uns Klimaschutz, Umweltschutz, gesunde Tiere, gesunde Pflanzen, fruchtbare Böden, saubere Luft und vieles mehr die wichtigsten Anliegen. Aus unserer Verantwortung für die nächsten Generationen heraus und weil wir nur damit unsere Betriebe nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich führen können.

Natürlich müssen wir uns auch selbst an der Nase nehmen. Ob ein junger Mensch ermutigt wird, in die Landwirtschaft einzusteigen und einen Betrieb zu übernehmen, hängt vielfach mit dem zusammen, was einem von der Elterngeneration und dem persönlichen Umfeld vorgelebt wird. Wir sind mehr denn je gefordert den Dialog zu suchen und aktive Aufklärungsarbeit über unsere tägliche Arbeit zu leisten (vgl. http://jungbauern.at/open-bauernhof/). Was passiert, wenn wir das nicht tun, zeigt sich auf erschreckende Weise: https://bit.ly/2V5veWW

Die Wertschätzung, die wir uns wünschen, ist kein Selbstzweck. Wir laufen aktuell Gefahr, dass die 3% der Landwirte und die 97% der nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung weiter auseinanderdriften; dass sich das Spannungsfeld zwischen Romantisierung und Skandalisierung weiter vergrößert. Mit gravierenden Auswirkungen für beide Seiten, die – wenn überhaupt – nur mit großen Anstrengungen wieder umkehrbar sind. Eines steht fest: die Konsumenten brauchen die Landwirte, die Landwirte brauchen die Konsumenten. Gehen wir also aktiv aufeinander zu, informieren wir uns gegenseitig, suchen wir das Gespräch. Nur gemeinsam können wir es schaffen, dass es weiterhin Menschen gibt, die voller Tatendrang ihre Bauernhöfe bewirtschaften und beste heimische Lebensmittel produzieren. Damit unsere Landwirtschaft Zukunft hat.

Die Österreichische Jungbauernschaft