Jungbauern zur Wolfdebatte: “Laden Ministerin Gewessler zu Lokalaugenschein nach Salzburg ein”

24. September 2020

Reiter: Realistische Darstellungen anstatt romantisierender PR-Gags / Praxistaugliche Lösungen für betroffene Bauern gefordert

(Wien, 03. September 2020) Die Verunsicherung unserer Bauern aufgrund von vermehrten Wolfsrissen während der Almsaison wird zunehmend größer. Verfrühte Almabtriebe sind bereits erste daraus resultierende Konsequenzen. „Unsere Bauern greifen zu teils drastischen Maßnahmen. Sie fürchten sich um das Wohlergehen ihres Viehs und sehen eine Fortführung der Almwirtschaft unter den derzeitigen Bedingungen schier unmöglich“, so Abg. z. NR Carina Reiter, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Jungbauernschaft, zur derzeitigen Wolfssituation.

„Echte“ Almwirtschaft anstatt idyllischer PR-Shows herzeigen

„Es darf nicht sein, dass die gesellschaftliche Diskussion mittels PR-Gags von NGO’s in eine Richtung geleitet wird, die nichts mit der Realität auf den Almen zu tun hat“, so Reiter zu einem kürzlich erschienenen Video, wo eine Tiroler Alm als Paradebeispiel eines scheinbar funktionierenden Herdenschutzes inszeniert wurde. „Wir brauchen eine realitätsnahe Darstellung unserer Almwirtschaft und keine Disney-Erzählungen. Herdenschutzmaßnahmen sind im alpinen Raum kaum umsetzbar, denn sie sind mit enormen finanziellen Kosten und unzumutbarem Arbeitsaufwand verbunden“, fordert Reiter umsetzbare Maßnahmen. Dazu zählt auch die gezielte und unbürokratische Entnahme von Problemwölfen. Wie bei anderen Wildtierarten, beispielsweise bei den Gämsen, soll auch beim Wolf eine Bewirtschaftung möglich sein. Reiter fordert eine Lockerung des Schutzstatus des Wolfes. „Es ist notwendig, den günstigen Erhaltungszustand der großen Beutegreifer auf EU-Ebene festzulegen und nicht auf die einzelnen Mitgliedsstaaten herunter zu brechen“, appelliert Reiter vor allem in Richtung Bundesministerin Leonore Gewessler. „Wir laden unsere Frau Bundesministerin daher sehr gerne zu einem Lokalaugenschein nach Salzburg ein. Gemeinsam mit uns Jungbäuerinnen und Jungbauern kann sie sich ein Bild machen, wie Almwirtschaft in alpinen Regionen wirklich funktioniert und was die Koexistenz von Wölfen, Almwirtschaft und Tourismus heißt“, so Reiter.

Bewahrung des Landschaftsbildes und der Artenvielfalt notwendig

Eine Stilllegung von alpinen Flächen aufgrund des Wolfes bringt nicht nur wirtschaftliche Einbußen für Landwirtschaft und Tourismus, sondern auch wesentliche Veränderungen im Landschaftsbild und eine Reduktion der Artenvielfalt in den alpinen Regionen. „Unsere Almen bieten nicht nur die höchsten Tierwohlstandards für unser Vieh, die Kulturfläche ist auch Naherholungsraum und wird von Wanderern und Touristen gerne genützt“, so Reiter zur Notwendigkeit der Bewahrung dieses Kulturgutes. Die Jungbäuerin ist sich sicher: „Die Bewirtschaftung unserer Almen muss ein wichtiges Anliegen bleiben, egal ob in Gunstlagen oder im hochalpinen Gelände. Dazu braucht es aber einen Schulterschluss zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft“, appelliert Reiter um gegenseitiges Verständnis und Respekt.